Ananasanbau in Costa Rica: Konventionell oder biologisch?

Der Ananasanbau in Costa Rica wirft unter einigen Gesichtspunkten ökologische und soziale Problematiken auf. Wir haben uns am Anfang unserer Mission gefragt, mit welchen Ananasproduzent:innen wir kooperieren möchten und für uns eine Lösung gefunden.

Der Anbau wird unterschieden in den konventionellen Anbau und den biologischen, der den Bio-Siegel trägt. Es stellt sich aber die Frage, ob bio wirklich immer die bessere Lösung ist?


Die meisten Anbauflächen in Costa Rica unterliegen dem konventionellen Anbau. Das bedeutet, dass die Ananasfelder mit chemischen Pestiziden und Dünger behandelt werden dürfen. Dafür werden zahlreiche Pflanzenschutzmittel benutzt, um möglichst viel Ertrag zu generieren. Vorteil des konventionellen Anbau ist es, dass durchschnittlich mehr Pflanzen pro Hektar abgebaut werden können. Vor allem durch den hohen Preisdruck ist das oft ein schlagendes Argument für die Landwirt:innen vor Ort. Die vielfach eingesetzten Pflanzenschutzmittel und Düngemittel können sich jedoch negativ auf die Biodiversität des Landes auswirken, das heißt, die Artenvielfalt leidet unter den eingesetzten Mitteln. Vor allem unter den großen Produzenten fehlt es auch oft an Wissensaustausch. Es gibt zudem wenige Plattformen, die systematisch umweltverträgliche Anbauformen fördern und Produzent:innen den Umstieg erleichtern würden (vgl. GIZ: o.J.).

Durch die Giftstoffe in den Düngemitteln kommt es in Costa Rica zu Wasserverschmutzungen, die gefährliche Wirkungen auf die Bevölkerung haben. Sie können im schlimmsten Fall sogar zu Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten oder Krebserkrankungen führen (vgl. Fischer, BanaFair e.V.; jpia: 2020).


Dem entgegengesetzt werden im biologischen Anbau keinerlei chemikalische Pflanzenschutzmittel oder Dünger genutzt. Stattdessen werden pflanzliche Naturstoffe eingesetzt, die der Umwelt nicht schaden können. Außerdem wird die Biodiversität gestärkt, indem in Mischkulturen angebaut wird, statt in Monokulturen. So kann unter anderem die Bodenerosion vermindert werden, die sonst oft Probleme schafft.

Leider gibt es auch im biologischen Anbau Nachteile. Da keine chemischen Pflanzenschutzmittel genutzt werden können, werden meist Plastikplanen eingesetzt, um die Ananaspflanzen zu schützen. Diese können durch Umwege zerstückelt in die Erde gelangen.

Eine weitere Herausforderung ist, dass Unkraut (Pflanzenschädlinge) den Raum der Nutzpflanzen verkleinern und ihm Wasser entziehen. Als Düngerersatz wird außerdem oft Kompost genutzt, was zu einer hohen Anreicherung von Nitrat im Grundwasser führen kann. Ineffiziente Bewässerungsmethoden führen zudem zu einem hohen Wasserverbrauch. Die Bewässerungsproblematik wird durch die Auswirkungen des Klimawandels noch verschärft.

So ist die Landwirtschaft sehr anfällig für extreme Wetterereignisse. Starke Winde führen zu einer größeren Erosion, extreme Hitze stresst Boden und Pflanzen und heftige Regenfälle bedingen ein größeres Ausspülen von Nährstoffen aus dem Boden (vgl. GIZ: o.J.) Es werden im Bio-Anbau vergleichsweise weniger Pflanzen geerntet, was auch daran liegt, dass die Anbaufläche kleiner ist. Biologische Farmen müssen als Ausgleichsfläche Bäume an ihre Feldergrenzen pflanzen.

Die genannten Problematiken sind für die Kleinbauern Costa Ricas fast nicht stemmbar, wollen sie zu einem nachhaltigeren Anbau umschwenken.

Es fehlt außerdem vor allem kleinen Produzent:innen an technischen Kapazitäten, Personal und Kenntnissen, um in umweltschonende Produktionsverfahren zu investieren.

Dafür gibt es spezielle Förderungsmaßnahmen und Bündnisse von Kleinbauern aus Costa Rica, die die Situation vor Ort verbessern sollen. Ein Beispiel ist das Projekt “From Farm to Fork: Mainstreaming Biodiversität in landwirtschaftlichen Nahrungsmittelwertschöpfungsketten” der BMU. Mehr dazu findet ihr hier: https://www.giz.de/de/weltweit/78340.html


“Costa Ricas Landwirtschaftsminister Luis Felipe Araus redet gerne über die zwei Säulen costa-ricanischer Landwirtschaftspolitik: Den Export von Agrarprodukten, der Devisen bringt und den Erhalt der heimischen Landwirtschaft durch die Förderung lokaler Märkte. Ein bisschen Ernährungssouveränität will der Minister also erhalten – trotz des Ananasbooms und des großen Einflusses der Großgrundbesitzer*innen und transnationaler Agrounternehmen auf die Politik: „Wenn wir wollen, dass die Landwirtschaft auch weiterhin produziert, was wir essen, dann müssen die jungen Menschen Liebe zur Landwirtschaft entwickeln und in der Produktion eine Perspektive sehen.“ (GIZ, o.J.)


Das Problem sollte allerdings auch aus der Perspektive der Nutzer:innen betrachtet werden. In Deutschland ist eine Ananas im Supermarkt schon für 1-3 Euro zu erwerben. Wenn mehr Menschen zu der Bio-Ananas greifen würden, würden auch die Landwirt:innen in Costa Rica, sowie auch die unter den Pestiziden leidende Gesellschaft vor Ort davon profitieren. Wer Lust auf eine Ananas hat, sollte sie also am besten bewusst konsumieren und sich der Auswirkung seiner Kaufentscheidung bewusst sein.


Übrigens gibt es auch einen Unterschied darin, wie die Ananaspflanzenreste entsorgt werden. In der konventionellen Landwirtschaft werden die Ananasreste mit einem Herbizid getrocknet und danach verbrannt. Bei der biologischen Anbauweise werden die Reste mühsam per Hand mit einer Machete klein gehackt und danach untergepflügt, wie Merit es von ihrer Reise berichtete.

Weil die Beseitigung der Ananaspflanzenreste eine zusätzliche Belastung für den biologischen, wie auch konventionellen Anbau ist, wollen wir ihnen mit unserer Arbeit die Pflanzenreste abnehmen.

Wir entscheiden uns bewusst dazu, in Kooperationen nicht zwischen biologischem und konventionellem Anbau zu unterscheiden. Denn wir möchten konventionellem Anbau die Möglichkeit geben, die Ressourcen aufzubauen sich nachhaltiger entwickeln zu können. ~turning waste into purpose~


Merit hat sich auf ihrer Costa Rica Reise ebenfalls mit den beiden Anbauarten beschäftigt und Interviews zu dem Thema geführt, unter anderem mit Hazel, einer Angestellten bei dem konventionellen Unternehmen VISA, mit dem wir auch zusammenarbeiten. Dort redet sie darüber, was sich in Zukunft verändern soll und wo die Problematiken liegen. In den nächsten Tagen und Wochen folgen außerdem weitere Videos zu dem Thema.


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Autorin: Marieke