FAQs

Ist euer Zellstoff recyclingfähig?


Ja, denn wir extrahieren aus dem Pflanzenmaterial lediglich Cellulose, welche anschließend weiterverarbeitet werden kann. Damit sind eco:fibr-Produkte, abhängig von ihrer Weiterverarbeitung, vollständig recycelbar und grundsätzlich auch für die Heimkompostierung geeignet.




Wie steht ihr zu Recyclingpapier?


Das Recycling von Altpapier ist eine sehr gute und umweltfreundliche Alternative zur reinen Verwendung von Frischfasern. Da Altpapier allerdings für jeden Recyclingvorgang erneut zerfasert werden muss, verkürzt sich mit jedem Schritt die Länge der Zellulosefasern. Dadurch kann sie lediglich fünf bis sieben Mal recycelt werden1. Zusätzlich hat die Qualität des Altpapiers über die Jahre abgenommen, weil immer mehr Verpackungen, anstatt hochqualitativem Zeitungs- und Büropapier, in der Tonne landen[1]. Falls du es noch nicht wusstest: Küchenrollen und Taschentücher gehören auch nicht ins Altpapier! 😊 Für den Erhalt der Papierqualität ist dann ein erneutes Zuführen von frischen Fasern notwendig, welche in der Regel aus Holz gewonnen werden. Und genau hier bieten wir die Alternative zu Holzfrischfaser, ob jetzt für die Beimischung zu Recyclingpapier oder für Papiere aus reiner Frischfaser.

[1] Kampf gegen Plastikmüll: https://taz.de/Der-Kampf-gegen-Plastikmuell/!5591532/




Wie nachhaltig ist euer Zellstoff im Vergleich zu konventionellen Zellstoffen, wie z.B. FSC-zertifiziertem Zellstoff?


Unser Rohstoff besteht aus 100% ökologischen Reststoffen! Indem wir den Landwirt*innen diesen Reststoff abnehmen, vermeiden wir die umweltbelastende Beseitigung. Zudem müssen keine Flächen für den Anbau von Holz gerodet und bestehende Primärwälder zerstört werden, was in der konventionellen Papierindustrie leider heute noch üblich ist. Das Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) gibt an, dass der für die Papierprodukte verwendete Holzzellstoff aus einer nachhaltigen Forstwirtschaft stammen würde. Die Zertifizierung durch z.B. FSC ist jedoch umstritten, weil die Herkunft des Holzes nicht transparent kommuniziert wird und immer noch FSC-zertifizierte Hölzer aus Primärwäldern stammen. Der FSC besteht aus drei gleichberechtigten Kammern, die unterschiedliche Interessen vertreten: den Waldbewohnern, den Umweltschützern und der Holzindustrie [2]. Dementsprechend handelt es sich bei den Maßnahmen immer um einen Kompromiss zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Umweltschutz. Indem wir komplett auf hölzerne Ausgangsstoffe verzichten, wollen wir einen progressiven Beitrag zu einer nachhaltigeren Papierindustrie leisten. [2] https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/videos/fcs-siegel-video-100.html Wenn ihr euch mehr für das Thema FSC und Siegel interessiert, folgende Links zu interessanten Artikeln und Dokumentationen zusammengestellt:




Warum werdet ihr euren Zellstoff nach Deutschland exportieren?


Zu Beginn werden wir unseren Zellstoff nach Deutschland exportieren, da der deutsche Markt einen großen Bedarf an nachhaltigen alternativen Zellstoffen, für die kein Holz verwendet wird, hat. Trotzdem ist es unser Ziel, den eco:fibr-Zellstoff langfristig auch vor Ort in Costa Rica, Lateinamerika, bzw. Amerika im Generellen zu vertreiben, um Transportemissionen möglichst gering zu halten.




Ist euer Zellstoff überhaupt noch nachhaltig, obwohl ihr den Zellstoff nach Deutschland exportieren werdet?


Ja, aber wir sind uns sehr wohl bewusst, dass der Export über See nicht ideal ist. Wir setzen uns kontinuierlich damit auseinander, unseren Zellstoff so nachhaltig wie möglich zu produzieren - von der Beschaffung unseres Rohstoffes über den Prozess bis hin zum Transport. Hierzu arbeiten wir zurzeit an unserem Life Cycle Assessment und untersuchen, an welchen Schritten die größten Emissionen entstehen, um diese zu reduzieren. Unser Rohstoff besteht aus 100 % ökologischen Reststoffen! Indem wir den Landwirten diesen Reststoff abnehmen, vermeiden wir die umweltbelastende Beseitigung und den Anbau neuer Rohstoffe und der damit verbunden Rodung neuer Anbauflächen. Wir wollen unsere Produktionsstätte vor Ort in Costa Rica aufbauen. Dadurch gelingt es uns, die Emissionen, welche beim Transport anfallen, auf ein Minimum zu reduzieren. Unser Zellstoff wird vor dem Transport getrocknet und zu Ballen gepresst. Damit ist er deutlich kompakter und platzsparender als die Pflanzen als Ausgangsmaterial. Um den Transport nachhaltig zu gestalten gibt es außerdem die Möglichkeit eines kombinierten Transports. Auf lange Sicht ist es sinnvoll, unseren Zellstoff auf dem amerikanischen Markt zu verkaufen. Diesen wollen wir erschließen, sobald uns die Etablierung im europäischen Markt gelungen ist.




Welche Zertifizierungen hat euer Zellstoff (z.B. FSC, Blauer Engel…)?


Aktuell gibt es weder für Zellstoff aus natürlichen Agrar-Reststoffen, noch für die Produkte daraus eine allgemeingültige Zertifizierung. Bekannte Siegel, wie z.B. FSC oder auch Blauer Engel, basieren auf der Verwendung von Holzzellstoff bzw. Altpapier als Rohstoff für die Papierprodukte. Da unser Ausgangsmaterial kein Holz ist, kommen unser Zellstoff und die daraus hergestellten Produkte dafür nicht in Frage. Allerdings wird die Verwendung alternativer Zellstoffe für die Papierindustrie immer wichtiger. Deshalb möchten wir unsere eigene Zertifizierung etablieren, damit der/die Endkunde*in ohne großen Aufwand direkt nachvollziehen kann, dass dieses Produkt aus natürlichen Reststoffen besteht. Transparenz in der gesamten Wertschöpfungskette ist uns sehr wichtig. Wir legen großen Wert auf die Beschaffung unseres Rohstoffes, die eindeutige Herkunft, faire Arbeitsbedingungen und eine hohe Produktqualität.




Wie profitiert die Umwelt Costa Ricas davon?


Die Ananas wird grundsätzlich nicht extra für unsere Zellstoffproduktion angebaut und die Pflanzenmaterialien die wir verwenden stellen einen Reststoff dar. Zusätzlich werden Ananasreste auf den Plantagen noch immer aufgrund ihrer schlechten Kompostierbarkeit verbrannt, was eine Verschwendung nutzbarer Ressourcen und einen unnötigen Ausstoß von CO2 darstellt. Außerdem achten wir bei der Wahl unserer Kooperationsplantagen auf eine nachhaltige Unternehmenskultur. Wir lösen zwar nicht das Problem der Monokulturen in der Ananaskultivierung, aber durch die Verwertung der Pflanzenreste bieten wir einen entscheidenden Beitrag für einen nachhaltigeren Ananasanbau und die Kreislaufwirtschaft.




Worin unterscheidet ihr euch von anderen Rohstoffen?


In Gesprächen mit potentiellen Kunden aus der Papierindustrie hat sich gezeigt, dass es keine großflächig industriell einsetzbare Alternative zu herkömmlichem Zellstoff aus hölzernen Quellen gibt. Bei vielen anderen, alternativen Zellulosequellen ist ein zusätzlicher Ernteschritt nötig. Damit geht einher, dass eine kontinuierliche Zurverfügungstellung des Ausgangsmaterials nicht immer gewährleistet werden kann. Ananasreste hingegen fallen ganzjährig in großen Mengen an. Unser Ziel ist es, alle Ananas-Abfälle innerhalb Costa Ricas, aber auch in anderen Anbauländern zu verwerten, denn das Entsorgungsproblem existiert ganzjährig, auf allen Ananasplantagen, weltweit.  Bei unserem eigens entwickelten Verfahren verzichten wir außerdem auf umweltschädliche Chemikalien und müssen trotzdem keinen Kompromiss bei der resultierenden Qualität der Zellulosefasern eingehen.




Warum benutzt ihr keine Pflanzenreste aus Deutschland oder der EU?


Natürlich fallen in Deutschland und der EU auch zahlreiche Abfälle in der Landwirtschaft an. Diese werden häufig energetisch verwertet. Die Ananaspflanzen haben bisher viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, obwohl dieses Problem von uns, den Konsument*innen, durch unsere Nachfrage nach Ananas ausgelöst wird. Zusätzlich eignet sich die Pflanze wunderbar für die Zellstoffproduktion, was nicht bei allen Reststoffen gegeben ist. Die Ananaspflanzen sind dabei nur der Anfang. Sobald es uns gelungen ist alle Ananasabfälle zu verwerten, widmen wir uns dem nächsten Abfallstoff wie zum Beispiel den Bananenstauden.




Holz ist doch schon ein nachwachsender Rohstoff - warum wollt ihr Ananasblätter verwenden?


Jährlich werden weltweit 224 Millionen Bäume abgeholzt [3], um unseren Verbrauch an Papier und Kartonage abzudecken. Das hat erhebliche Auswirkungen für unsere Natur und unser Klima: Flächen werden für den Anbau von Holz gerodet und bestehende Primärwälder zerstört. Außerdem erfordert diese Art der Zellstoffproduktion eine Menge Energie und Wasser. Auf der anderen Seite haben wir mit der Ananaspflanze einen Reststoff vom Ananasanbau, der in großen Mengen verfügbar ist – bisher aber ungenutzt bleibt. Dabei eignen sich die Ananasblätter ausgezeichnet für die Herstellung von Zellstoff, da sie stabile Fasern und einen hohen Zellulosegehalt besitzen. Durch die Aufwertung eines „Abfallprodukts“ zu einem Rohstoff, wollen wir Ressourcen schonen und aktiv gegen die Wegwerfkultur vorgehen: „turning waste into purpose“. [3] Wir machen unsere Angaben basierend auf diesem Dokument: http://www.fao.org/3/cb0513m/CB0513M.pdf mit der Annahme, dass ein Baum = 3,14m^3 Holz entspricht (03.09.2020)




Ist euer Ausgangsmaterial saisonabhängig?


Nein, denn aufgrund des tropischen Klimas und der guten Planbarkeit des Ananasanbaus ist eine ganzjährige Produktion der Ananasfrüchte auf den Plantagen gängige Praxis. Je nach Sorte und Klima braucht die Ananaspflanze etwa 11-13 Monate, bis die erste Frucht geerntet werden kann. Sie trägt durchschnittlich zwei Früchte. Nach ungefähr 6 weiteren Monaten wird dann die zweite Frucht geerntet, wonach die Pflanze für die wirtschaftliche Nutzung unbrauchbar wird.




Warum ist es wichtig, heute damit zu starten?


Weil wir eigentlich schon gestern hätten starten müssen! Mit eco:fibr wollen wir unseren Teil für eine nachhaltigere Welt beitragen und uns aktiv gegen die heutige Wegwerfkultur einsetzen. -for one sustainable world-




Können Studierende überhaupt ein Startup gründen? Was qualifiziert euch?


Unser Team besteht aus Studierenden unterschiedlichster Bereiche – von Biotechnologie, Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwesen bis hin zu Marketing. Wir verfügen über fachliche Grundvoraussetzungen und haben in dieser Konstellation bereits einiges erreicht. So haben wir den umweltfreundlichen Prozess der Zellstoffgewinnung selbst in den Laboren der Leibniz Universität Hannover entwickelt. Aufgrund unserer intrinsischen Motivation verfolgen wir Ziele mit einer besonderen Überzeugung und eignen uns stetig neue Kompetenzen an. Durch unsere Teilnahme am Hafven Impact Accelerator (Link) und der Farm Food Climate Challenge (Link) wurden wir in unserer Entwicklung außerdem von Expert*innen und Mentor*innen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft begleitet. Die zahlreichen Workshops und der intensive Austausch unterstützen unseren Prozess. Wir arbeiten agil und kommen täglich der Umsetzung unserer Vision näher. Dazu tauschen wir uns in unseren Dailys aus – nicht jeden Morgen ganz ausgeschlafen, dafür aber mit viel Herz, Fleiß und Motivation. Immer mit dem Ziel, unseren Teil zu einer nachhaltigeren Welt beizutragen.




Was ist euer status quo und was sind die nächsten Schritte?


Wir sind schon in der Lage, Zellstoff aus den Ananaspflanzen im kleinen Maßstab zu extrahieren. Aktuell bereiten wir die Pilotierungsphase vor, in der wir 5-10 Tonnen Zellstoff produzieren werden, welcher dann auch von den Kunden*innen eingesetzt wird. Mit diesem Proof of Concept gehen wir dann in die Planung des dezentralen Produktionssystems in Costa Rica und werden dieses nach einer Finanzierungsrunde vor Ort aufbauen.




Riecht euer Zellstoff nach Ananas?


Nein.




Wo kann ich Papier aus Ananasfasern kaufen?


Aktuell gibt es noch kein Papier aus Ananaszellstoff zu erwerben. Derzeit sind wir im Austausch mit potentiellen Partnern und schauen, wo wir den eco:fibr Zellstoff als erstes einsetzen werden. Mögliche Einsatzgebiete können z.B. sowohl die klassischen Verpackungen, als auch Hygiene- und Spezialpapiere sein. Wir halten euch auf unseren sozialen Netzwerken auf dem aktuellen Stand. Folgt uns gerne auf LinkedIn, Instagram oder Facebook. 😊